Novemberpogrom-Gedenktag

An diesem Tag wird der Opfer der sogenannten "Kristallnacht" gedacht. In der
Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden überall im Deutschen Reich, das sich zu der Zeit unter
nationalsozialistischer Herrschaft befand, jüdische Einrichtungen angegegriffen, Menschen misshandelt,
Geschäfte geplündert und Synagogen angezündet. Die Propaganda versuchte, diese Angriffe als eine
spontane Reaktion auf den Tod eines deutschen Diplomaten zu erklären, der von einem Juden erschossen
worden war. Es war jedoch klar, dass das Pogrom von Nazi-Organisationen begonnen wurde, und auch
hauptsächlich Angehörige dieser Organisationen daran beteiligt waren. Nach offiziellen Angaben wurden
91 Personen getötet und eine unbekannte Anzahl in Konzentrationslager verschleppt.

Eine Geschichte aus meiner Heimatstadt
Louis Gumpert war Inhaber eines Hutladens in der Innenstadt von Werne. Er war
Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und Vorstandsmitglied verschiedener anderer Vereine. Im Jahr
1903 war er Mitbegründer des ersten Sportvereins in Werne und wurde dessen Schriftführer. 1933, nach
der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurden alle Juden, also auch er, aus den Vereinen
ausgeschlossen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es auch in Werne zu Ausschreitungen.
Einige Nazis drangen in Louis Gumpert's Geschäft ein und warfen die Waren auf die Straße. Louis
Gumpert flüchtete auf das Dach seines Hauses. Was dann geschah, ist unklar. Möglicherweise versuchte
er, auf das Dach des Nachbarhauses zu springen, oder er wurde von jemandem gestoßen, jedenfalls
fiel er in einen kleinen Innenhof zwischen den Häusern. Die Nazis versuchten, in den Innenhof
einzudringen, um den schwerverletzten Mann weiter zu misshandeln, aber der Rechtsanwalt, zu
dessen Haus der Innenhof gehörte, verbot ihnen, diesen zu betreten (er wurde dafür übrigens nicht von den Nazis
bestraft). Einige Leute brachten Louis Gumpert ins Krankenhaus, wo er trotz sofortiger Behandlung
durch einen Arzt (der für diese Hilfe bestraft wurde) starb. Nach 1945 wurden mehrere Männer, die zum Teil
aus angesehenen Werner Familien stammten, für diese und andere Taten vor Gericht gestellt und
zu Gefängnisstrafen verurteilt.


