Tag der Deutschen Einheit

Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland nach mehr als 40 Jahren der Teilung
wiedervereinigt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Deutschland nicht nur verkleinert (was vor allem
daran lag, dass die Sowjetunion Polen kurzerhand nach Westen verschob und den östlichen Teil
Polens ihrem eigenen Imperium einverleibte), sondern auch geteilt.
Letzteres war zunächst nicht geplant, aber da die Sowjetunion mit den von ihr besetzten Ländern etwas
anderes vorhatte als die westlichen Alliierten mit den von ihnen besetzten Teilen Deutschlands,
war die Teilung kaum zu vermeiden.

Von da an ging es mit dem westlichen Teil Deutschlands, in dem die Amerikaner,
die Briten und die Franzosen das Sagen hatten,
steil bergauf. Die Amerikaner überzogen das Land mit dem Marshall-Plan (offiziell "European
Recovery Program") und CARE-Paketen (Vielen Dank!!!), und die Einheimischen (in einem damaligen
Karnevalslied die "Eingeborenen von Trizonesien" genannt - wegen der drei Besatzungszonen)
spuckten in die Hände und fingen an, das zerstörte Land wieder aufzubauen. Die Wohlstandsphase
erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt in den fünfziger Jahren.

Im östlichen Teil Deutschlands waren die Menschen natürlich genauso fleißig,
leider mit viel weniger Erfolg, da die Sowjets ihnen erst alle wichtigen Maschinen klauten, die
noch intakt waren, und dann mit Hilfe des einheimischen Regimes Gesetze erließen, die jedem
anständigen Menschen die Lust am Arbeiten verderben musste. Diese Unzufriedenheit erreichte 1953
einen Höhepunkt, als in der DDR ein Arbeiteraufstand stattfand, der von sowjetischen Panzern
buchstäblich plattgewalzt wurde (den Ungarn und den Tschechen ging es später ähnlich).
1948 versuchten die Sowjets noch, sich West-Berlin
unter den Nagel zu reißen. Sie riegelten die Stadt ab und kappten damit alle Versorgungslinien.
Leider hatten sie aber nicht mit einem genialen Amerikaner namens Lucius D. Clay gerechnet, dem
Erfinder der Rosinenbomber. Er schickte nämlich von West-Deutschland aus die amerikanischen
Transportflugzeuge, um im Minutentakt Versorgungsgüter nach Berlin zu bringen, und dies über
einen Zeitraum von fast einem Jahr - eine enorme logistische Meisterleistung! Schließlich mußten
die Sowjets ihre Blockade aufgeben - so gewinnt man einen Kampf mit friedlichen Mitteln :-)

Am 13. August 1961 wurde die Berliner Mauer gebaut, und damit waren die Bürger der DDR in ihrem
eigenen Land eingesperrt. Die genaue Zahl der Todesopfer, die es an der innerdeutschen Grenze gab,
ist nicht bekannt. Es gab allerdings immer wieder Fälle, die die Unmenschlichkeit dieser Grenze
besonders deutlich zeigten, wie die Ermordung des 18jährigen Maurers Peter Fechter, der bei seinem
Versuch, die Mauer zu übersteigen, von Wachtposten angeschossen und schwerverletzt liegengelassen
wurde. Seine leiser werdenden Hilferufe waren auch auf der Westseite der Mauer zu hören, aber die
Wachtposten bedrohten jeden, der versuchte, zu ihm zu gelangen. Schließlich wurde er von herbeigerufenen
DDR-Polizisten in ein Krankenhaus gebracht, wo er jedoch starb.

Mitte der achtziger Jahre wehte plötzlich ein frischer Wind durch den Osten Europas. Die Ersten,
die den Aufstand probten, waren die polnischen Werftarbeiter unter der Führung des Elektrikers Lech
Walesa. Dann wurde in der Sowjetunion Michail Gorbatschow neuer Regierungschef, und er kündigte
eine neue Offenheit an. Auch die DDR-Bürgerbewegung, die teilweise schrecklich unter
dem Regime zu leiden hatte, wurde jetzt noch mutiger - und auch die Zahl der "Mitglieder" erhöhte
sich, bis es gegen Ende der achtziger Jahre zu einer Massenbewegung kam. Von der Gewalt der
Staatssicherheit ließen sich die Menschen nicht mehr einschüchtern. "Mit Kerzen und Gebeten", wie
es in dem Film "Nikolaikirche" heißt, brachten sie die Mauer zum Einsturz. Nicht einmal ein Jahr
nach dem Fall der Mauer im November 1989 wurde Deutschland wiedervereinigt.


